| Mittelalterliche Kultur - Turnier | |||
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| Geschichtliche Entwicklung der mittelalterlichen Turniere Reiterspiele erfreuten sich schon in der Antike und auch im frühen Mittelalter grosser Beliebtheit. In der „Neithartschen Chronik“ wird berichtet, dass sich im Jahr 844 das Gefolge Ludwigs des Deutschen und seines Bruders Karl zum Scheingefecht in gleiche Scharen teilte, um sich im Kampf zu üben. Das mittelalterliche Turnier ist wahrscheinlich im 11. Jahrhundert in Frankreich entstanden. Als Erfinder nennt uns die Überlieferung den französischen Adeligen Geoffroi de Preuilly. Bald wurde dieses Kampfspiel auch in Deutschland üblich und erfreute sich größter Beliebtheit. Der Name Turnier (von tornare, tourner, tournoi - im Deutschen turnir, turnei oder turney.) tauchte erst im 12. Jahrhundert in Frankreich auf, für eine mit stumpfen Waffen gespielte Reiterschlacht der Buhurt. Das früheste deutsche Quellenzeugnis ist eine Stelle in den Gesta Friderici (Taten Kaiser Friedrichs Barbarossa) des Bischofs Otto von Freising. Er berichtet von einem Turnier, das die schwäbischen Herzoge 1127 vor Würzburg veranstalteten. Vor dem Turnier fand eine Helmschau statt. Die Helme und Schilde der Ritter, die am Turnier teilnehmen wollten, wurden von ihren Knappen an einem bekannt gegebenen Platz aufgestellt. Der „roi des armes“ (Herold oder Wappenkönig“ überprüfte an Hand von Wappenrollen die Turnierfähigkeit bzw. Ritterbürtigkeit der Teilnehmer. Unbekannte Wappen oder Wappen mit Fehlfarben wurden als „armes a enquerir“ erklärt, solange die Abstammung des Ritters nicht geklärt war. Man kannte unterschiedliche Formen des Turniers: Den Buhurt (Quintaine), der Tjost (, Puneiz), die Vesperie und den Foreis. Der Buhurt oder die Quintaine war ein Massenkampf zwischen zwei gleichgroßen Heerhaufen auf einem abgesteckten Schlachtfeld. Gekämpft wurde mit stumpfen Waffen, jedoch war der Ablauf wie im Krieg gehalten. Ein Ritter, der im Getümmel stürzte, seine Waffen verlor oder keine Luft mehr bekam und deshalb aufgeben musste, wurde vom Sieger entwaffnet und gefangen genommen. Als Verlierer schuldete er dem Sieger nicht nur sein Pferd und seine Rüstung, sondern auch ein entsprechend hohes Lösegeld. Der Tjost (Puneiz) war im Gegensatz zum Buhurt ein reiner Zweikampf. Man unterschied zwei Formen des Tjostes. An einem Pfahl nahe des Einganges zum Rennplatz hingen zwei Schilde. „l‘une de paix“ und l’autre de guerre“. Das eine bedeutete Kampf mit stumpfen Lanzen, bei dem die Lanzen stumpfe, gezackte Krönlein trugen, (Siehe auch Thema Waffen/Die Lanze) das andere Kampf mit scharfen Lanzen, bei dem die Lanzen scharfe Eisenspitzen hatten. Die Vesperie oder „Joust a outrance“ ist ein Vortunier oder Vorgeplänkel ohne feste Absprachen und Regeln. Es gab Einzelstechen aber es wurde auch in geschlossenen Verbänden gekämpft, so, daß das eigentliche Turnier auf Grund von Verletzungen und der hohen Gefangenenzahlen oft nicht mehr durchgeführt werden konnte. Beim Foreis (mhd.: "im Wald") wartete ein Ritter oder eine Gruppe von Rittern im Wald. Vorbeiziehende Ritter wurden zum Tjost herausgefordert. Beim eigentlichen Turnier im 12. Jahrhundert wurde auf großen Flächen und nur in geschlossenen Verbänden gekämpft. Zuschauer gab es nur wenige.
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Ab dem 13. Jahrhundert wurden die Turnierplätze abgesteckt und mit Sand aufgeschüttet. Man nannte dies auch „ein Turnier anlegen. Sie wurden näher an die Städte heran gelegt und vor einem sachkundigen Publikum aufgeführt. Wohl auch deshalb, da immer mehr Ritter bei Turnieren teilnahmen. So waren bei einem Turnier 1311 in Rostock 6400 Ritter gemeldet![]() Der Wettstreit wurde erst beendet, wenn eine Schar unterlag oder wenn bei Einbruch der Dämmerung ein weiterer Kampf unmöglich wurde. Das Turnier wurde im Mittelalter neben dem Krieg und der notwendigen Jagd schnell eine Lieblingsbeschäftigung der Ritter. Es war eine hohe Ehre zu einem Turnier eingeladen zu werden. Leider ging es für den einen oder anderen Kämpfer nicht immer glimpflich dabei ab und so verlor so mancher Ritter sein Leben auf dem Turnierplatz. Diese Entwicklung führte sogar soweit, das auf dem lateranischen Konzil von 1197 die Kampfspiele als Vergehen gegen das gemeine Recht erklärt wurden Im Turnier von Neuss bei Köln kamen im Jahre 1240 sechzig Ritter und Knappen um; sie wurden von ihren Pferden zerstampft oder erdrückt. .Aber neben diesen Unglücken, entwickelten sich bereits Spezialisten, die durchaus mit den heutigen modernen Champions vergleichbar sind. Sie zogen durch ganz Europa und sammelten nur durch ihre Geschicklichkeit Lorbeeren und Vermögen Bei dem zur Fastnacht 1403 anlässlich der Geburt seines Sohnes von einem Grafen von Katzenellenbogen zu Darmstadt ausgeschriebenen Turnier kam es zu besonders schweren Vergehen gegen die Turniergesetze. Die Einladung war durch die rheinische Ritterschaft, der der Graf angehörte, an den Adel in Franken, Bayern und im Rheinland ergangen und ordnungsgemäss im Reich verkündet worden. Hessische und fränkische Ritter benutzten das Turnier jedoch dazu, alte Händel auszutragen. Die Franken hatten den Hessen beim Turnier zu Wertheim vorgeworfen, sie ernährten sich vom Strassenstaub, und hatten sie als Stegreifritter bezeichnet. ![]() Die Hessen warfen wiederum den Franken vor, dass sie den Adel durch Kaufmnannschaft verunerhrten. Beide Parteien waren daraufhin übereingekommen, die Angelegenheit beim nächsten Turnier auszutragen. So erschienen ca 120 fränkische und 144 hessische Ritter, auf dem Turnierplatz zu Darmstadt. Als die Seile durchhauen waren, samelten sich die Franken und Hessen und hieben so scharf aufeinander ein, dass weder die 12 Grieswärtel noch die Prügelknechte die Kämpfer auseinanderbringen konnten. Als man erkannte, dass hier eine ernste Auseinandesetzung ausgetragen wurde, liess man die Schranken öffnen, um jedem Unbeteiligten die Möglichkeit zu geben, herauszureiten. Das scharfe Treffen, bei dem das Turnier zum ernsten Kampf wurde, artete schließlich dermaßen aus, dass 17 Franken und 9 Hessen auf dem Platz ihr Leben ließen. |
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